5 Top Tipps

Warum Tipps beachten?

Es gilt wie auch schon für das Erste Staatsexamen: Jeder schlägt seine eigene Schlacht!

Tipp #1 - Nutze die Zeit

Anfangs erscheint das Referendariat sehr lang. Es gibt viel Neues, und viele haben sich nach bestandenem Ersten Examen erstmal erholt. Diejenigen, die ohne nennenswerte Zwischenpause eingestellt wurden, nutzen dann die ersten Monate dafür. In der Tat ist das Referendariat die letzte schöne Zeit. Denn danach fängt für die meisten das Berufsleben an. Nie mehr wird man so viele Freiheiten genießen können. Trotzdem: Versucht bereits am Anfang das ganze möglichst konzentriert anzugehen und euch das nötige Wissen anzueignen. Alles, was ihr dann schon könnt, brauch ihr fürs Examen nur noch zu wiederholen und nicht erst neu zu erlernen. Lernen ist wiedererkennen!

Tipp #2 - Lernen

Wir alle wollen nur eins: ein (gutes) Zweites Staatsexamen. Das bekommt man nur, wenn man dafür lernt. Dazu zählt nicht allein der prozessuale Stoff, den man im Laufe der Stationen und AGs mitbekommt, sondern vor allem das materielle Recht. Denn in der Regel werden hier die Punkte vergeben. Trotzdem sollte man sich mit den Formalia unbedingt rechtzeitig anfreunden.

Ob man dafür unbedingt ein Repetitorium besuchen muss, ist unter Referendaren sehr umstritten. Viele haben jedoch nach dem Examen festgestellt, dass das Rep nicht unbedingt notwendig war. Auch hier gilt es wie fürs Erste: Wer auf Nummer sicher gehen will, der besucht ein Rep. Besondere Empfehungen sind nicht darzustellen, da schließlich immer der perönliche Geschmack entscheidet.

Zur Examensvorbereitung gehört auch, mit den zugelassenen Kommentaren umgehen zu lernen. Die meisten Klausuren sind darauf ausgestellt, anhand des Kommentars gelöst zu werden. In der Klausur selbst sollte man nicht die meiste Zeit darauf verschwenden, im Palandt in der "Idiotenwiese" nach Kalkulationsirrtum zu suchen, um dann nach fünf Minuten festzustellen, dass dieser im Palandt Berechnungsirrtum heißt. Das ist ein wichter Schritt, den man nicht unterschätzen sollte.

Tipp #3 - Besuch der Arbeitsgemeinschaften / Ausbildungsstellen

In der Tat bringen die meisten AGs gar nichts, wenn man nur hingeht und sich berieseln lässt. Ein Richter oder Anwalt ist in der Regel kein Pädagoge und hat in den meisten Fällen keine didaktische Ausbildung. Trotzdem gehört die AG zur Dienstpflicht, und man sollte die Zeit zumindest für sich selbst nutzen. Zumindest sind die dortigen Klausuren mitzuschreiben und die Aktenvorträge zu halten. Beide stellen wichtige Übungen dar! Bei dauerhaften Fehlem besteht unter anderen die Gefahr, die AG wiederholen zu müssen. Außerdem kann das bei Nichtbestehen ein Grund sein, das Gehalt gekürzt zu bekommen.

Für die Ausbildungsstellen gilt das gleiche. Und schon mal eines vorneweg; Die für den Ausbilder angefertigten Arbeiten zählen nur sehr bedingt als Übung. Zu einem sind die Sachverhalte viel einfacher und es gibt kaum materielle Probleme. In der Praxis stellt sich eher das Problem des "Wer ist schuld?", also reine Beweisfragen. Darüber hinaus benutzt man für Urteile, Beschlüsse usw. i.d.R. die Vorlagen auf dem PC, so dass man sich den konkreten Aufbau nicht merkt. Trotzdem sollte man es nicht vernachlässigen. Dies gilt gerade für die Strafstation, falls man bei einem Richter ist. Denn anders als in vielen anderen Bundesländern ist die Wahrscheinlichkeit 1:3, dass ein Urteil drankommt. Daher sollte man sich nicht mit einfachem Wissen begnügen! Wer schon die Formalia eines Urteils nicht beherrscht, dem werden auch gute materielle Ansätze nichts nutzen.

Tipp #4 - Klausuren schreiben

Das Klausurenschreiben ist mit das wichtigste im ganzen Referendariat. Nur wer die Formalia und das Prozessrecht drauf hat, kann in fünf Stunden eine vernünftige Klausur schreiben. Daher sollte mit einem Klausurenkurs spätestens zwölf Monate vor dem Examen agefangen werden. Da am Landgericht in der Regel erst noch andere Klausuren vorrangig korrigiert werden, sollte man einen Klausurenkurs bei einem Repetitorium buchen. Das kostet zwar Geld, aber man kann vier Klausuren im Monat schreiben, also eine die Woche. Diese Kurse haben ein sehr hohes Niveau und sind am Anfang oft schwer. Daher finden auch die meisten Referendare nach dem Examen die Examensklausuren leichter. Ab nur so wird man richtig vorbereitet. Dazu gehört es auch, die korrigerten Lösungen nachzuarbeiten und aus seinen Fehlern zu lernen. Wer 30 Klausuren im Zivilrecht geschrieben hat, der braucht sich im Examen keine Gedanken darüber zu machen, wie der Tatbestand bei Widerklage oder Versäumnisurteil aufgebaut ist.

Man sollte die Klausuren mit den zugelassenen Kommentaren schreiben, denn nur das ist eine wirkliche Übung. Neue Kommentare sollte man sich erst vor dem Examen kaufen, bei Ebay oder abebooks.de bekommt man aber auch gebrauchte, und die reichen fürs erste auch aus!

Tipp #5 - Nichts überstürzen + Ruhe bewahren

Das Zweite Examen ist weder schwerer als das Erste, noch ist die Situation eine andere. Lasst Euch von Nichtbestehern nichts Anderes erzählen. Es gehört auch immer Glück dazu, und dem einen liegen manche Klausuren, dem anderen nicht.

Auch hohe Durchfallquoten sind nicht die Regel. Zwar gab es in einzelnen Klausuren tatsächlich schon Quoten mit 40 %, aber der Jahresdurchschnitt liegt nach wie vor unter dem Bundesdurchfalldurchschnitt von 20 %. Eine gewisse Nervosität gehört immer dazu. Wer aber genügend gelernt hat und ständig mit Klausurenschreiben geübt hat, der kann guten Gewissens die Prüfung antreten. 21 Monate sind dafür ausreichend Zeit (auch für die vielen anderen schönen Dinge im Leben)!

Hier ein wichtiger Hinweis bezüglich dem Vorgehen bei nur geringer Punktzahl im schriftlichen Teil:

In Hessen ist es als einem der wenigen Bundesländer möglich, dass man mit lediglich 3,1 Punkten zur mündlichen Prüfung zugelassen wird, § 49 JAG. Für Euch bestehen dann zwei Möglichkeiten, wenn ihr mit der Note nicht zufrieden seid: entweder geht ihr in die mündliche Prüfung und schweigt, oder ihr meldet dem JPA, dass ihr nicht hingehen werdet. Obwohl es gleich aussieht, die jeweiligen Folgen sind absolut unterschiedlich.

Gemäß § 16 III Nr. 2 JAG iVm § 46 II JAG erklärt das JPA die Prüfung für nicht bestanden, wenn ihr zur mündlichen Prüfung nicht erscheint. Geht ihr aber hin und schweigt und bekommt demnach keine Punkte und erreicht keine 4 Punkte, dann ist die Prüfung nicht bestanden, § 51 V JAG (und eben nicht für nicht bestanden erklärt!).

Die Folge der nicht bestanden Prüfung ist, dass sich gemäß § 52 III 1 JAG ein Ergänzungsvorbereitungsdienst anschließt, bei dem man wieder in eine AG geht, einen Klausurenkurs besuchen muss und einem Richter zugewiesen wird. Durch diesen Ergänzungsvorbereitungsdienst wird dann etwa nach etwa 4-6 Monaten erneut zum schriftlichen Teil geladen.

Die Folge der für nicht bestandenen erklärten Prüfung ist aber, dass sich eben kein Ergänzungsvorbereitungsdienst anschließt, sondern das die Wiederholungsprüfung nach Ende der Wahlstation beginnt, § 52 III 5 + 6 JAG. Dass bedeutet im Klartext, dass ihr unmittelbar zu dem ersten möglichen Examenstermin nach der Wahlstation geladen werdet und eben keine 4-6 Monate mehr Zeit habt, euch auf etwas vorzubereiten. Dies ist den meisten gerade nicht bewusst. Wenn ihr also z.B. im August schriftliches Examen habt, bekommt ihr etwa Mitte Januar das endgültige Ergebnis. Teilt ihr dann dem JPA mit, dass ihr nicht zur mündlichen Prüfung kommt, werdet ihr auf den nächstmöglichen Termin im März geladen!!!

Und hier setzt das JPA an. Dieses meldet sich telefonisch bei denjenigen Kanditaten, von dem es glaubt, dass sie nicht zur mündlichen Prüfung erscheinen werden. Sagen dies die Betroffenen wie zumeist auch zu, bittet das JPA um eine diesbezügliche schriftliche Erklärung. Das JPA klärt aber nicht darüber auf, dass damit die Prüfung nicht als "nicht bestanden" gilt, sondern "für nicht bestanden erklärt" wird, dies mit den oben genannten Folgen. Als Begründung gibt es an, dass es keine gesetzliche Aufklärungspflicht gibt und dies Sache des Referendars sei. Dadurch erreicht das JPA, dass man die "freiwilligen" Wiederholer nicht in den Ergänzungsdienst lassen muss, sondern sie direkt wieder zur Prüfung laden kann und wird!

Zusammenfassend ist daher zu sagen:

Wollt ihr erneut den schriftlichen Teil schreiben, aber den Ergänzungsvorbereitungsdienst in Anspruch nehmen, damit ihr die 4-6 Monate zur weiteren Vorbereitung Zeit habt, dann bleibt Euch nichts anderes übrig, als zur mündlichen Prüfung zu gehen und dort jede Frage mit "Weiß ich nicht" beantworten oder gar nichts sagen. Lasst ihr Euch auf das JPA ein, werdet ihr auf den nächsten Termin zur schriftlichen Prüfung geladen und das ist ja genau das, was die meisten ja gerade nicht wollen. Nicht missverstehen: Das Vorgehen des JPA ist nicht illegal, es entspricht dem JAG!! Es ist durchaus aus wirtschaftlicher Sicht verständlich. Auch dass sie keine Referendare haben wollen, die in der mündlichen Prüfung keinen Mucks von sich geben. Das Vorgehen ist aber unfair. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen der Prüfung muss dem Referendar überlassen werden und darf nicht durch die Überrumpelungssituation am Telefon seitens des JPA beeinflusst werden! Ein angehender Volljurist muss schließlich selbst in der Lage sein, das JAG lesen zu können!

Darüber hinaus kann man nur wärmstens empfehlen, sich zu mündlichen Prüfung einen Referendarkollegen mitzunehmen, der als Zuschauer die ganze Prüfung mithört. Dieser sollte dann ein Gedächtnisprotokoll anfertigen. Nur auf diese Weise können Beweisprobleme bei einem möglichen Widerspruchsverfahren umgangen werden. Dies gilt insbesondere für den Aktenvortrag, wo die anderen Mitprüflinge nicht anwesend sind. Hier hat der Geprüfte ansonsten keine Möglichkeit, für irgendetwas Beweis anzubieten!

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